Wie entstand die Tangomusik?
Aus "Tango zur Musik tanzen" von Joaquìn Amenàbar

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreicht ein großer Zustrom von Einwanderern Argentinien, vorwiegend italienischer Herkunft, aus Neapel und Süditalien, aber auch aus Spanien und aus Deutschland. Die reichhaltigen Melodien der neapolitanischen Canzonetten, die Opern von Verdi,
Puccini, Bellini usw., spanische Rondos und Lieder von Schubert, Schumann, Wolf, usw. erreichen den Rio de la Plata. Mit ihnen kommen die Musiker aus diesen Ländern, die als Musiklehrer viele junge Komponisten des argentinischen
Tango beeinflussen.


Die Milonga, die schon früher in Argentinien existierte, war ursprünglich eine Liedform, deren Schwerpunkt auf den gesungenen Versen lag, wobei die Melodie sehr einfach gehalten war und lediglich als Vorlage diente, um die Poesie im Gesang darzubieten. Der Rhythmus der Milonga war jenes rhythmische Muster, welches als Habanera bezeichnet wird und in Kuba entstand.


Die neuen, reichhaltigen Melodien, die aus Europa kamen, benutzten zu Beginn jenen Rhythmus der Milonga, jedoch ohne gereimten Text. So entstand eine neue musikalische Form: der Tango. 


Nun denn, der Reichtum und die rhythmischen Bewegungen dieser neuen Melodien traten in Widerspruch zum rhythmischen, festgelegten Muster der Milonga, welches  in immer gleicher Wiederholung über das gesamte Stück gespielt wurde. Das rhythmische Muster der Milonga veränderte den Charakter jener Melodien.


Nach einem Zeitraum von 35 bis 40 Jahren unterlag der Tango einer großen Modifikation, die uns den modernen Tango brachte, den wir heute tanzen. Jene Veränderung fand ungefähr in der Epoche zwischen 1910 bis 1920 statt.

 

Wo liegt der Unterschied ?
Aus "Tango zur Musik tanzen" von Joaquìn Amenàbar

Das festgelegte, rhythmische Muster der Milonga wurde verlassen und zurück blieb eine neue rhythmische Struktur mit folgenden Elementen:

A: ein 4/4 Takt
B: eine melodische Phrase mit ihrer eigenen rhythmischen     Betonung
 

Jede Phrase besitzt ihre eigene Betonung, angepasst an die Melodie. Aus diesem Grund ist der Tangorhythmus kein festes Rhythmusmuster mehr.


Dies ist der wirkliche Wandel zwischen dem originalen und dem modernen Tango, der etwa um 1915 erscheint und nach dem wir tanzen. Es ist nicht der Wechsel beim Notieren im 2/4, 4/8- oder 4/4-Takt, wie man oft hört. Man kann beide Tangos, den ursprünglichen um das Jahr 1860 im Milongarhythmus, und den modernen, der zwischen 1915 und 1920 erscheint, mit jedem der drei Schreibweisen notieren. Der Unterschied ist ein anderer: entweder handelt es
sich um Musik mit einem festen Rhythmus, oder es ist Musik ohne diesen festen Rhythmus, wo die Melodie den Rhythmus bestimmt. Diese letzte Struktur ist es, die der moderne Tango übernommen hat. Es ist ein Element, das er aus der
klassischen Musik vom Anfang des 20.Jahrhunderts übernommen hat, denn die klassische Musik funktioniert im Allgemeinen so, ohne festen Rhythmus.

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